Statistik spielt in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften schon lange eine bedeutende Rolle und hat für diese Anwendungen eigene Disziplinen entwickelt: Biometrie, Epidemiologie und Pharmazeutische Statistik. Alle drei Disziplinen sind an den Universitäten in Bremen und Oldenburg vertreten. An der Universität Bremen gibt es Masterstudiengänge in der Biometrie (MSc Medical Biometry and Biostatistics am FB 03) und der Epidemiologie (MSc Epidemiologie am FB 11).

Mitglieder des ZeSOB sind in der Planung und statistischen Auswertung von Studien in der Medizin und den Gesundheitswissenshaften eingebunden. Es wird z.B. eng mit Pflegewissenschaftlern der Universität Bremen zusammen gearbeitet. Darüber hinaus gibt es Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Studien in der Medizin. Diese Studien werden in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Klinische Studien Bremen (KKSB) realisiert, das über eine entsprechende Infrastruktur verfügt.

Mitglieder des ZeSOB beschäftigt sich mit der Entwicklung von biometrischen Methoden, insbesondere Methoden des multiplen Testens und für sequentielle und adaptive Studiendesigns. Beim multiplen Testen werden die Testverfahren so gestaltet, dass trotz des erhöhten Risikos für falsch-positive Aussagen, die Fehlerraten 1. Art unter Kontrolle bleiben. Mit adaptiven Studiendesigns können wesentliche Merkmale der Studie, wie z.B. die Fallzahl, die Anzahl an Behandlungsgruppen oder die betrachteten Patientenpopulationen, auf der Basis von Zwischenergebnissen der Studie angepasst und dabei gleichzeitig die Fehler 1. Art unter Kontrolle gehalten werden. In einem aktuellen BMBF-Verbundprojekt in Bremen werden z.B. neue liberale multiple Testverfahren für einstufige und adaptive Studiendesigns in der personalisierten Medizin entwickelt. In einem DFG-Projekt werden neue statistische Studiendesigns und Verfahren für Nicht-Unterlegenheitsstudien mit einer zusätzlichen Plazebogruppe abgeleitet und untersucht. Mitglieder des ZeSOB beraten auch bei der Planung und Durchführung adaptiver Studien.

Klinische Studien sind insgesamt ein wichtiger Forschungsschwerpunkt am ZeSOB. In einem Marie Curie Initial Training Network mit akademischen und industriellen Partnern aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Großbritannien beschäftigen sich mit innovativen statistischen Methoden für Studien der frühen Therapie-Entwicklungsphase. In einem Fokusprojekt der Forschungsförderung der Universität Bremen werden neue Ansätze zur Beurteilung der Heterogenität von Behandlungseffekten entwickelt.

Regressions- und Klassifikationsmethoden stellen einen weiteren, sich gerade neu entwickelnden Forschungsschwerpunkt des ZeSOB dar, der über das Anwendungsgebiet der klinischen Studien hinausgeht. Wir entwickeln derzeit neue, robuste Ansätze für Regressionsanalysen, mit dem Ziel, möglichst modellunabhängige Assoziationsanalysen zu ermöglichen. Anwendungen liegen hier vor allem in Bereich der Beobachtungsstudien und der Epidemiologie.